Worte und Schläge mit Gewicht

Interview mit dem Deutschen Boxmeister im Schwergewicht

Der Essener (34) ist amtierender Deutscher Meister im Schwergewicht. Boxen ist seine Leidenschaft,  weil es so vielseitig ist. Kraft, Konzentration, Disziplin und mentale Stärke werden kombiniert mit Ausdauertraining. Abseits des Rings verbringt der 1,90-Meter-Riese viel Zeit mit seinen Töchtern und engagiert sich für soziale Projekte. 

Das Interview

Patrick, wie sieht für Dich der moderne Mann aus?

Patrick Korte: Es gibt sehr unterschiedliche Typen von Männern, die auf ihre Art modern sind. Da geht die Schere weit auseinander. In sportlicher Hinsicht gibt es einige Jungs, die in ihrer Freizeit extrem viel Sport treiben und schon fast fanatisch sind und andere, die nichts machen und unter Übergewicht leiden. Ich finde einen gesunden Mittelweg richtig. Jeder sollte auf seine Gesundheit achten und versuchen, sich fit zu halten.

Ich finde einen gesunden Mittelweg richtig. Jeder sollte auf seine Gesundheit achten und versuchen, sich fit zu halten.

Was für ein Typ Mann bist Du?

Patrick Korte: Ich bin schon sehr Sport fanatisch. Ich wurde vor kurzem am Ellenbogen operiert und soll mich zu Hause noch schonen. Trotzdem bin ich am ersten Tag direkt ins Fitnessstudio gelaufen und habe ein lockeres Training absolviert. 

Abgesehen vom Sport, achtest du auf Mode und Dein Äußeres? Du bist ja Bartträger, was gerade angesagt ist. 

Patrick Korte: Da habe ich das Moderne mit dem Nützlichen verbunden. Ich habe einen starken Bartwuchs und müsste mich täglich rasieren. Da Bärte gerade in sind, habe ich meinen einfach wachsen lassen. Ich interessiere mich für Mode, ich muss aber nicht jeden Hype mitmachen. Ein gepflegtes Aussehen ist mir dagegen schon wichtig. 

Wie sieht es im Privatleben aus? Gibt es da ein klassisches Rollenbild? 

Patrick Korte: Nein, überhaupt nicht. Ich vertrete ganz moderne Ansichten zur Männer-, Frauenrolle. Ich habe zwei Töchter und bin ein richtiger Familienmensch. Ich koche gerne für meine Kinder, spiele mit ihnen und wir machen gemeinsam Ausflüge.

Du unternimmst nicht nur viel mit deinen eigenen Töchtern, sondern engagiert Dich auch für krebskranke Kinder und benachteiligte Jugendliche. Warum ist Dir soziales Engagement so wichtig?

Patrick Korte: Es ist ein Herzenswunsch von mir, mich zu engagieren und etwas Gutes zu tun. Es gibt so viele benachteiligte Kinder, die auf Hilfe angewiesen sind. Ich bin selbst in einem Umfeld aufgewachsen, in dem wir wenig Geld hatten und auf vieles verzichten mussten. Ich hatte damals auch die Chance zu trainieren, das hat mir viel bedeutet. 

Wo bist du als Jugendlicher hingegangen?

Patrick Korte: Ich bin in Essen Borbeck groß geworden und als Jugendlicher zum Don Bosco Club gegangen. Das war ein wichtiger Ort für mich. Ich habe mein Leben lang Sport gemacht, erst Judo und Taekwondo. Mit 14 Jahren habe ich angefangen zu boxen. Heute trainiere ich mit benachteiligten Jugendlichen, die zum ebenfalls zum Don Bosco Club kommen.

Warum hilft gerade das Boxtraining den Kids?

Patrick Korte: Boxen ist eine tolle Sportart, weil es so vielseitig ist. Kraft, Konzentration, Disziplin, mentale Stärke werden kombiniert mit Ausdauertraining. Die Jugendlichen können sich im Training richtig auspowern. Angestaute Wut oder Frust kann beim Schlagen gegen den Boxsack abgebaut werden.

Du bist Profiboxer und musst täglich viel trainieren. Wie sieht Dein Sportprogramm in Vorbereitung auf einen Wettkampf aus? 

Patrick Korte: Vor einem Wettkampf trainiere ich sechsmal in der Woche mehrere Stunden am Tag sehr intensiv.  Dazu gehören ein Ausdauer- und Krafttraining wie Sparring, laufen, Gewichte stemmen und Liegestütze. Zum Ausgleich gehe ich schwimmen. Da kann der Körper sich regenerieren, die Muskeln werden anders beansprucht.

Wie können sich Männer fit halten, die nicht die Zeit zum intensiven Training haben. Hast du Tipps für ein kurzes, aber effektives Workout? 

Patrick Korte: Allen Hobby-Sportlern würde ich ein lockeres Sportprogramm  3-4 mal in der Woche empfehlen. Laufen oder schwimmen sollten eigentlich nie fehlen. Wer nur 20 - 30 Minuten am Tag Zeit hat, für den sind ‚Burpees‘ ideal. Das ist eine Mischung aus Kniebeuge, Liegestütz und Strecksprung mit Händen hinter dem Kopf. Eine sehr effektive Übung, bei der man schnell an seine Grenzen stößt. Deshalb kann ich allen Sportlern nur raten, nicht zu übertreiben und auf den Körper aufzupassen, damit es zu keiner Muskelzerrung oder Schlimmeren kommt.

Gesundheit und Leistung stehen im engen Zusammenhang. Achtest Du auf Deine Gesundheit und gehst Du regelmäßig zur Vorsorge?

Patrick Korte: Als ich noch jung war, habe ich nicht viel Wert auf Vorsorge gelegt und bin höchsten mal bei einer dicken Erkältung zum Arzt gegangen. Mittlerweile sehe ich das ganz anderes. Ich gehe regelmäßig zum Arzt, mache ein Blutbild und halte Vorsorgetermine ein - auch speziell für Männer. Das ist mir wichtig.

Ich gehe regelmäßig zum Arzt, mache ein Blutbild und halte Vorsorgetermine ein - auch speziell für Männer. Das ist mir wichtig.

Welche Präventionsmaßnahmen triffst Du, um gesund zu bleiben?

Patrick Korte: Ich komme ja vom Bodybuilding und achte daher sehr auf meine Ernährung. Ich esse viel Obst und frisches Gemüse. Zudem halte ich mich an die Low-Carb-Ernährung, esse also wenig  Kohlenhydrate, dafür mehr Eiweiß und Fett. Das hat sich auch in der Familie durchgesetzt. Wir versuchen generell Industriezucker so gut es geht zu vermeiden. Natürlich dürfen unsere Kinder naschen, sie haben aber gar kein großes Verlangen nach Bonbons oder Weingummis, sondern essen wirklich gerne Obst. 

Das klingt sehr diszipliniert. Sündigst du nie?

Patrick Korte: Doch natürlich. Einmal in der Woche, immer am  Sonntag, ist bei uns ‚Schmuddeltag‘. Da machen wir zusammen viel Quatsch, es gibt Fastfood und Süßes. Da greife ich auch zu.

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